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4 ganz verschiedene Besuche bei der gleichen Person (Otto H.S.) siehe Posting ganz unten

Samstag 31.01. Herr S. ist sehr zornig / grantig wie man in Wien sagt an diesem Tag. Er möchte dennoch mit mir ausgehen kaum draußen dirigiert er mich als seinen Rollstuhlführer genau dorthin wo er hinwill: in das Wohnhaus in dem er als er noch selbstständig war gewohnt hat: er möchte ins Haus hinein, da es schon im EG Stufen gibt bleibt der Rollstuhl dort vor den ersten Stufen stehen.

Otto läuft auf mich und das Geländer gestützt bis in den obersten Stock, dort stehen wir vor seiner ehemaligen Wohnungstür und besuchen auch den Dachboden. Die netten Nachbarn sperren uns sogar den Dachboden auuf wo wie schließlich jausnen. Otto ist sehr wütend an diesem tag dass er nicht seine Wohnung in diesem Haus hat. Er schüttelt ärgerlich und drohend seine Fäuste. Ich habe Sorge, es könnte mir nicht gelingen ihn zum freiwilligen Rückkehren ins Heim zu bewegen. Schließlich gelingt es doch indem ich eindringlich darauf hinweise, dass im Pflegeheim schon die Lieblingspflegepersonen auf ihn warten und das Abendessen schon angerichtet ist für Ihn. Immer wieder versichere ich, dass ich seinen ärger gut verstehen kann, dass er nicht mehr hier im Haus wohnen kann. Unten beim Rollstuhl angekommen schießt Otto die für ihn mitgenommene Trinkflasche wütend durchs Stiegenhaus. Hier gebiete ich energisch einhalt. Interessanterweise ist Herr S. nach der ganzen Aktion entspannt und ausgeglichen. Wir beschließen den ursprünglich geplanten Ausflug in den Park noch zu machen – immer noch scheint die Sonne – Otto trifft Hunde und spielt mit diesen und streichelt auch ein ganz kleines Mädchen das ihm zutraulich begegnet… ich bringe einen entspannten und hungrigen Klienten ins Heim zurück. Ich bin beeindruckt, dass dieser sich selbst einen „differentialdiagnostischen Ausgang“ (Böhm) hier mehr in Form eines Erinnerungs- und Abschiednehmensausgangs verschafft hat…

Fr 13.02. Nachmittagsbesuch:

Otto will trotz herrlichem Wetter nicht hinausgehen – da er auch andere vorgeschlagene Aktivitäten verneint und ich weiß dass ich an diesem We die Möglichkeit habe auf Samstag Vormittag auszuweichen beschließe ich wieder zu gehen und verabschiede mich von Otto und den Pflegepersonen der Station.

Sa 14.02. Vormittags:

Auch an diesem Tag treffe ich Otto in recht schlechter Verfassung an. Er dämmert dahin, will sich kaum bewegen, kommuniziert kaum und will auch nichts trinken. Nach einigem Überlegen entschließt sich Otto doch für einen Ausgang. Die Wirkung wird wie häufig gravierend sensationell sein. Nach Straßenbahnfahren, einem Besuch in der Hundezone, Rundgang durch den Park mit Vogelbeobachtungen, einer Rückreise die kaufen und verzehren von Bananen beeinhaltet bringe ich einen Klienten zurück, der aufgeschlossen interessiert, isst mit großem Appetit (trinkt) was er auch schon unterwegs getan hat… liest mit Interesse in seinem neuen Buch über Tiere… Das ist eine Freude mit „so wenig“ bei/ für einen Menschen so viel bewirken zu können.

Dienstag 16.02. Nachmittags

Otto sitzt stark vornübergebeugt in einem Stuhl als ich komme. Heute fällt ihm das Entscheiden sehr schwer. Ob er gehen will ob er zur Faschingsfeier will, ob er aufs WC will, ob er mit mir hinausgehen will „zur Straßenbahn“ alles bejaht Otto einmal konkret dann in die Tat umgesetzt revidiert Otto seine Entscheidungen sogleich wieder sobald ich ihn unterstütze sie in die Tat umzusetzen. Nach einer ausgedehnten Schrecksekunde als Otto in seinem Zimmer aus dem Rollstuhl aufsteht aber eine ziemliche Weile unklar scheint was er nun beginnen möchte steuert er schließlich sein Bett an und legt sich hinein. Ich verabschiede mich und gehe.

 

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nach Vorlagen gestaltet der Auto- und naturfann besonders engagiert und ausdauernd. Fast rauschhaft intensiv... sehr sehr komnzntriert...insgesamt ist sehr erfreulich zu sehen wie sich Herrn Ottos S.

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